Wann hast du deinen Weg in der Kunst begonnen? Hast du Kunst oder etwas Verwandtes in einer Werkstatt, Hochschule oder anderen Institution gelernt? Bist du von einer Lehrerin oder einem Lehrer beeinflusst worden?

Die ersten künstlerischen Äußerungen moderater Reichweite sind wahrscheinlich die Zeichnungen, die ich in der Grundschule machte, um meine Mitschülerinnen und Mitschüler zu ärgern oder ihnen zu gefallen. Mit vierzehn besuchte ich eine Weile ein Zeichenstudio in Madrid. Den Lehrer dort mochte ich nicht, und ich fand auch nicht den Mut klar darzulegen, was mich damals am Zeichnen wirklich anzog: Die fantastische und erotische Ebene bestimmter Comics, stilistisch verschieden wie die elegante Femme Fatale in ‘The Spirit’ von Will Eisner oder die überwältigenden Strichorgien in den Zeichnungen von Todd MacFarlane, wie er ‘The Hulk’ darstellte. In diesem Zusammenhang traute ich mich auch nicht zu fragen, ob ich Akte zeichnen dürfte und so blieb das alles eine halbgeöffnete Tür und reine Vermutung. In Potsdam studierte ich Produktdesign bei einigen Professoren mit artverwandten Interessen in Nachbardisziplinen der Kunst. Diese Erfahrung formte indirekt, als Gegensatz zur zweckmäßigen Vorgehensweise des Entwerfens beim Design, die Art von Prozessen, die mich leiten und dessen Unbestimmtheit ich genieße, wenn ich meine Bilder konstruiere. Ich erinnere mich an einen Zeichenlehrer in Potsdam, der skeptisch ablehnend die einsetzende optische Verzerrung, die ich noch unbewusst in meine Entwürfe einführte, beobachtete. Weil es eine große Verführung ist, den Kenntnismangel eines Lehrers vorzuführen, bedanke ich mich jetzt bei ihm, angesichts dessen, was auf sein schlechtes Beispiel hin folgte. Sowohl von Vor- als auch von Feindbildern kann man lernen.

Als ich in Madrid studierte habe ich einen guten Professor gehabt, der ein etwas esoterisches Fach unterrichtete: Projektive Geometrie. Der Mann kam immer etwa 15 Minuten vor dem offiziellen Beginn der Stunde und unterrichtete mit Hochgeschwindigkeit; wir müssten vier oder fünf Filzstifte unterschiedlicher Farben bereits parat haben, um der Reihenfolge und dem Rhythmus seiner Erläuterungen folgen zu können. Seine Schülerschaft hat am besten gepunktet, und so hat der Rest des Lehrstuhls ihn mit großen Neid betrachtet und natürlich gehasst.

Wie hast du die erste Periode des kreativen Lernens gelebt?

Was meinst du mit “kreativem Lernen”?

Welche Techniken lernst/entdeckst/implementierst du?

Zurzeit erforsche ich mögliche Herangehensweisen, Jemandem den Vorschlag zu machen, ein Aktporträt von ihr oder von ihm zu fertigen, damit diese oder dieser ihn mit Vergnügen annimmt. Viele Fragen gehen mir durch den Kopf: Ist es angemessener, solche Art von Anträgen face-to-face vorzubringen oder ist es vielversprechender, schriftlich, in einer E-Mail? Welcher Moment ist geeignet? Soll dieser Vorschlag Teil einer raffinierten Sequenz an Ereignissen sein, die ich dokumentieren soll, oder geht es eher um warten und hoffen, dass die kritische Frage plötzlich hervorkommt? Oder ist es bereits zu spät für etwas, dass man Überraschung nennen dürfte? Ist es günstig, mögliche Missstände eines solchen Unternehmens gleich anzusprechen? Welche Kulisse favorisiert ein Modell, typischerweise? Gibt es überhaupt typische Vorlieben? Sollte ich meine Ansprüche bis zum Zeichnen in Unterwäsche senken, wenn das Erreichen voller Nacktheit schwierig erscheint? Etc.